Forschen mit System
Wie kann Forschung auf industriellem Niveau automatisiert werden, ohne an Flexibilität zu verlieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer außergewöhnlich engen Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität Dresden und der Delphin Technology AG. Gemeinsam entwickelten die Partner einen vollautomatisierten Festbettreaktor für die katalytische Alkoholverwertung – ein System, das zeigt, wie sich klassische Reaktortechnik mit moderner Mess-, Steuer- und Regelungstechnik verbinden lässt. Im Zentrum steht nicht nur die chemische Reaktion, sondern das intelligente Zusammenspiel von Sensorik, Automatisierungslogik und Software. Der Beitrag beschreibt Entstehung, Aufbau und Betrieb dieses Katalyseteststandes und leitet daraus praxisnahe Designempfehlungen ab, die insbesondere für die industrielle Automatisierung und Prüfstandentwicklung richtungsweisend sind.
Kaum ein Bereich der Verfahrenstechnik verändert sich derzeit so rasant wie die Laborautomatisierung. Während chemische Reaktoren früher manuell gesteuert und überwacht wurden, erfordert die heutige Forschung Präzision im Millisekundenbereich und vollständige Datenrückverfolgbarkeit. Nur so lassen sich komplexe katalytische Prozesse wie die Umwandlung von Methanol oder Ethanol zu Kohlenwasserstoffen reproduzierbar untersuchen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung entstand das gemeinsame Projekt der TU Dresden und Delphin Technology. Ziel war es, ein modulares Prüfsystem zu entwickeln, das die Anforderungen eines wissenschaftlichen Labors mit der Robustheit industrieller Automatisierungstechnik vereint. Die TU Dresden brachte ihre Expertise in Reaktordesign, Katalyse und Sicherheitskonzepten ein, während Delphin die komplette Automatisierungsarchitektur, Steuerung und Messtechnik realisierte – vom Sensor bis zur grafischen
Benutzeroberfläche. Ein System, das Prozessdaten regelt und steuert.
Bilder: Delphin Technology AG, sonstige mit freundlicher Genehmigung von Elsevier