Sichere Wasserstoffnetze
Der Energieträger Wasserstoff soll einen festen Platz im deutschen Energiemix erhalten. Herzstück wird ein rund 9000 Kilometer langes Leitungsnetz sein. Bei der technischen Umsetzung fehlen bislang aber noch praktische Erfahrungswerte im Umgang mit Wasserstoff. Diese soll das neue „ModuH2Pipe@BAM“ liefern, das am 2. Juli eröffnet wurde.
Im Südosten Berlins, in einem dicht bewaldeten Gebiet im Ortsteil Horstwalde von Baruth/Mark dehnt sich über rund zwölf Quadratkilometer das Testgelände Technische Sicherheit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) aus. Schon kurz nach der Wende übernahm die Bundesanstalt das ehemalige Militärgelände. In Bunkern gesicherte Leitstände und aufwendige Sicherheitstechnik erlauben hier auch riskante praktische Versuche durchzuführen. Dazu gehören zum Beispiel Großversuche mit erheblichen Energiemengen oder mit brennbaren Gasen, Brand- und Explosionsuntersuchungen, Versuche mit großen Sicherheitsabständen oder die kontrollierte Untersuchung von Schadensfolgen. Ein Pluspunkt ist dabei die Kombination mit den Berliner BAM-Laboren.
Hier in Horstwalde eröffnete Prof. Dr.-Ing. Katharina Löwe, Abteilungsleiterin für Prozess- und Anlagensicherheit bei der BAM, zusammen mit Dr.-Ing. Kai Hilgenberg, Abteilungsleiter Komponentensicherheit, und Dr. Kai Holtappels als Leiter Sicherheit von Energieträgern, am 2. Juli 2026 das „ModuH2Pipe@BAM“ im Rahmen des Reallabors H₂-Netze. Rund 150 Besucher aus Forschung, Industrie, Politik und Medien waren angereist, um zwischen den Wäldern die neue Testanlage zu besichtigen.
Wissenslücken schliessen
Der Grund für das große Interesse vor Ort ist der laufende Aufbau eines Wasserstoff-Kernnetzes bis zum Jahr 2032. Es soll unter anderem die Seehäfen an Nord- und Ostsee mit den industriellen Zentren an Rhein, Ruhr und Main, in Schwaben, Oberbayern und Mitteldeutschland verbinden. Von geplanten 9040 Kilometern Leitung sollen rund 60 Prozent aus vorhandenen, umfunktionierten Erdgasleitungen bestehen; 40 Prozent werden neu gebaut. Für die Auslegung dieser Leitungen und der zugehörigen Anlagen gab es bislang nur Rechenmodelle und Versuche im Labormaßstab. Praktische Erfahrungswerte im Originalmaßstab für den Umgang mit Wasserstoff im Normalbetrieb, aber auch in Grenzbereichen fehlten. Diese Lücke schließt das Reallabor. Partner können Komponenten oder Rohrleitungssegmente im Realmaßstab untersuchen und dann Material- und Gasanalysen durch die BAM durchführen lassen. Die Anlage ist nicht nur Forschungsinfrastruktur, sondern explizit auch Dienstleistungs- und Entwicklungsplattform für externe Partner.
Bild: Vereinigte Fachverlage/Daniel Schilling